Chronik

Im Hohen Fichtelgebirge zwischen Platte und Nußhardt steht auf einer großen Waldlichtung das beliebte Unterkunftshaus des Fichtelgebirgsvereins “Seehaus”. Seine Entstehungsgeschichte verdankt es dem Bergbau auf Zinn. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts beginnt dort der Abbau des Erzes in den Gruben “Glück auf” und “Friedrich-Carls-Glück”, der dann mit Unterbrechungen bis 1826 andauert. Die erste Erbauung eines so genenannten Zechenhauses für die Bergarbeiter erfolgte 1762, im Jahr 1803 wird das Gebäude wegen Baufälligkeit abgerissen und bald darauf wieder neu aufgebaut. Doch schon im Februar 1805 wird das Haus ein Raub der Flammen. Mit bergamtlicher Genehmigung erfolgt unmittelbar danach der Wiederaufbau des Gebäudes “auf dem See”, wie es in den Akten heißt. Der Name Seehaus ist somit aktenkundig. Doch auch dieses Gebäude scheint nicht lange gehalten zu haben, denn 1818 wird von Johann Gottlieb Reißmann ein Haus “mit Steinen neu aufgebaut”, 1842 geht es an die Forstverwaltung über.

Der prominenteste Besucher dürfte wohl Johann Wolfgang von Goethe gewesen sein, der bei einer gewaltigen Tagestour am 1. Juli 1785 von Wunsiedel aus zum Ochsenkopf gewandert ist und dabei zum “Zechenhaus” kam. Er beschreibt in seinem Tagebuch die “Zinnwasche” und den Vorgang der Zinnerzgewinnung recht ausführlich. Den Seehausbrunnen, der heute noch vorhanden ist, hielten Goethe und seine Begleiter als Quelle des Weißen Mains und am Bach zur Zinnwäsche sah man viele “tridentaria europaea” (Trientalis europaea), die Pflanze Siebenstern. 1787 wird berichtet von seinem Aufenthalt im Zinnwerk auf dem Seehaus, dass als “Hütte” bezeichnete wird. Im Sommer sei es hier sicher angenehm, schreibt der Autor. Im Winter wäre es für ihn eine wahre Strafe, hier wohnen zu müssen. “Da soll die Luft schneidend, die Kälte unausstehlich und der Schnee oft so hoch sein, dass er den Ausgang aus der Hütte verwehrt. Einen Situationsbericht vom Seehaus gibt uns 1839 auch Major v. Plänckner in seinem “PINIFERUS – Taschenbuch für Reisende”: “Man findet daselbst Bier, Milch, Butter, ganz vortreffliches Brunnenwasser und ein Fremdenbuch. Wer mit einer Streu zufrieden ist, kann auch allenfalls übernachten.” 1917 erfolgt die Wiederaufnahme des Zinnbergbaus in den Gruben “Wilhelmsglück I und II”, “Constantin I und II” und “Fridasglück”, wo 12 bis 15 Arbeiter beschäftigt werden. Es handelte sich hierbei aber nur um einen Versuchsbau, der 1924 wieder eingestellt wurde.

1916 hatte das königliche Forstamt Fichtelberg das Seehaus dem Fichtelgebirgsverein zur Pacht mit Bewirtschaftung angeboten. Im Oktober 1925 richtete dann der FGV eine Anfrage an die Forstverwaltung wegen der Übernahme des Hauses, das jedoch noch an die Zinnberg-Gewerkschaft “Wilhelmsglück” verpachtet war. Durch Verhandlungen gelang es dem Heimatverein, dass die Bergwerks-Gesellschaft aus dem Pachtvertrag vorzeitig zurücktrat und somit das Haus am 25.3.1926 vom FGV übernommen werden konnte, wobei auch ein einfacher Wirtschaftsbetrieb genehmigt wurde. Nachdem das hölzerne Gebäude baufällig geworden war, wurde mit den Abbrucharbeiten am 9.6.1928 begonnen, am 12.6.1928 der Grundstein für ein neues Gebäude gelegt und schon am 16.9.1928 konnte man das neue Wanderheim bei einer eindrucksvollen Feier der Öffentlichkeit übergeben. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurden zahlreiche Modernisierungs- und Renovierungsarbeiten durchgeführt, wobei die Energie- und Wasserversorgung wesentlich verbessert wurde. Ein Lob gilt den Seehaus-Pächtern, die unter erschwerten Bedingungen Tages- und Übernachtungsgäste willkommen heißen. Als Seehaus-Wirt muss man nicht nur Gastgeber sein, sondern auch Idealist.

Dietmar Herrmann